ANDREAS KORIDASS

Als Besucher einer Kunstausstellung sieht man immer die fertige Skulptur. Wie aber werden aus dicken Baumstämmen ausdrucksstarke Plastiken? Wie entstehen diese Werke? Welche Ideen hat der Künstler hier umgesetzt?

Bei dem Bildhauer Andreas Koridass erkennt man die Faszination, die Bäume auf ihn ausüben. Holz ist das Material, das er für seine Arbeiten bevorzugt, mit dem er meisterlich umzugehen versteht. Das Holz der Eichen, Platanen, Zedern, deren Stämme er im Wald aussucht nach ihrer Beschaffenheit, dem Umfang. Aufgeplatzte Rinden, Astlöcher und Verletzungen der alten Bäume integriert er gekonnt in seine Skulpturen. Am Anfang ist immer ein grob behauenes Stück Holz. Eine Herausforderung an den Künstler, Gefühle, Erlebtes oder Gesehenes in Form auszudrücken. Manchmal ist es nur ein kostbarer Augenblick, ein Erlebnis, mit dem er sich beschäftigt, das dann in seiner Vorstellung reift. Meist ist es eine intensive Auseinandersetzung mit Themen, die ihn faszinieren. Mit Kohle, Gouache und Tusche skizziert er die Gedanken auf Papier. Der Ausgangspunkt seiner Ideen ist unabdingbares Werkzeug. Wichtiger noch als Kettensäge, Flex oder Schlegel und Beitel. Zeichnungen entstehen. Figuren und Formen, die den Gedankengang zu seinen Plastiken weisen.Nun wendet er sich seinem Material, dem Holz, zu. Eichen, deren mächtige Stämme den Unbilden der Natur getrotzt haben. Oder Platanen, vom Mensch zum Teil ausbetoniert um sie nach Fäulnis zu stabilisieren, Wurzelstöcke von Thujas (Lebensbäumen). Der Bildhauer mustert sein Material genau, ehe er mit der Kettensäge grob Material abträgt. Denn in seiner Vorstellung sieht er die fertige Skulptur, bevor er mit der Arbeit überhaupt begonnen hat.In seinem Atelier werden die Blöcke weiter bearbeitet. Gefühlvoll und sensibel geht Koridass mit seinem Werkzeug um. Jahresringe, Trockenrisse, Astlöcher werden in seine Arbeiten mit einbezogen. Spuren der Vergänglichkeit löscht er nicht. So entstehen Portale, Tore, Wächter, Ahnenfiguren. Seine Portale erinnern an archaische Urformen, an Relikte aus vergangener Zeit. Auf stählerne Plinthen gesetzt, verleiht er ihnen etwas Unwirkliches, lässt seine Arbeiten schweben. Strukturen auf rostigem Stahl kongruieren mit denen des Holzes, gehen eine faszinierende Symbiose ein. Zu einer eigenwilligen Einheit verbindet Andreas Koridass auch Metallteile mit dem Holz, setzt Akzente. ...

Marietta Wahl


Foto © Gunter Chemnitz 2008